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Nähren sich Ideen aus guten Gefühlen?

Wer zuletzt mal versucht hat, in schlechter Stimmung zu einer guten Idee zu kommen, erinnert sich vielleicht noch: Es ist vertane Zeit. Je mehr man grübelt, desto enger scheint der Blick zu werden. 

Eine aktuelle Studie liefert nun Hinweise darauf, dass dieser Eindruck nicht nur subjektiv ist (Xu et al. 2026).

Die Forschenden untersuchten ein bestimmtes Muster neuronaler Aktivität (die sogenannte aperiodische Hirnaktivität oder auch: das rosa Rauschen), das in EEG-Messungen seit Langem sichtbar ist, bislang jedoch wenig Beachtung fand. 

Gute Gefühle erhöhen offenbar die Wahrscheinlichkeit, dass wir eine Vielfalt an Möglichkeiten erkunden, die Perspektive wechseln und neue Verbindungen zwischen Ideen herstellen. 

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass diese Aktivität im Gehirn den Grad an Beharrlichkeit versus Flexibilität moderiert. Positive Stimmung ging dabei mit einem erweiterten Fokus der Aufmerksamkeit und höherer Flexibilität im Denken einher. Anders ausgedrückt: Positive Gefühle stehen mit Aspekten von Kreativität in Verbindung, indem sie die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass wir out-of-the-box denken. 

Diese Befunde passen gut zu dem, was die Kreativitätsforschung bereits über die Rolle von Neurotransmittern weiß. So wird Dopamin sowohl mit Freude und Antrieb als auch mit Prozessen in Verbindung gebracht, die für kreatives Denken zentral sind: ungewöhnliche Assoziationen bilden, mentale Sackgassen verlassen, zwischen Gedankengängen switchen und neue Wege erkunden. Die Kreativitätsforschung geht heute davon aus, dass Dopamin nicht Kreativität „erzeugt“, wohl aber die kognitiven Prozesse beeinflusst, aus denen kreative Leistungen entstehen (siehe Quellen). 

Was folgt daraus für uns?

Vor allem dies: Wenn wir bei einer Aufgabe feststecken, ist es nicht immer sinnvoll, weiter über dieselben Gedanken zu kreisen. Manchmal besteht der produktivste nächste Schritt darin, für die eigene Stimmung zu sorgen. Nicht als Flucht vor der Aufgabe, sondern als Voraussetzung dafür, ihr wieder mit einem flexibleren Geist begegnen zu können.

Dabei geht es nicht um bloße Ablenkung. Ablenkung verschiebt Probleme oft nur in die Zukunft. Sondern es geht um Aktivitäten, die nachweislich unsere psychische und neurobiologische Verfassung verändern. Bewegung etwa beeinflusst verschiedene Neurotransmittersysteme und kann die Stimmung deutlich verbessern. Ein Lauf durch den Park löst das Problem zwar nicht direkt – er kann jedoch die Bedingungen verändern, unter denen Lösungen entstehen. Und was hebt Ihre Stimmung?

 

Benedek et al. / Zibetti et al. (2022): „Dopamine supports idea originality“.

Boot, N., Baas, M., van Gaal, S., Cools, R. & De Dreu, C.K.W. (2017).Creative cognition and dopaminergic modulation of fronto-striatal networks: Integrative review and research agendaNeuroscience & Biobehavioral Reviews, 78, 13–23.

Marques, A. et al. (2021)Bidirectional Association between Physical Activity and Dopamine Across Adulthood—A Systematic ReviewBrain Sciences, 11(7), 829.

Xu, X., Zhu, X., Jiang, M. et al. (2026). Positive affect increases aperiodic brain activity. Psychological Research 90, 43 (2026).

 

 

 
 
 
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